Triers neuer Straßenstrich

Meine Arbeit in Sachen Aufklärung und Transparenz nimmt Formen an. Ich bin ja eine Fürsprecherin der Geestemünder Straße der Stadt Köln. Das Gelände der Verrichtungsboxen befindet sich in Köln Niehl. Es wurde 2002 gebaut und die Straßenprostitution wurde vom Eigelstein dorthin verlagert. 2004 habe ich auf dem Gelände meine Arbeit als Sexarbeiterin begonnen. Das Gelände bietet Sicherheit, Hygiene und Beratung. Jeden Tag sind Sozialarbeiter vom SKF Köln vor Ort und einmal in der Woche auch das Gesundheitsamt Köln. So ist man dort immer gut beraten und kann sich Hilfe holen, wenn man sie benötigt. Aber was ganz wichtig ist, ist daß man auch mal über normale Dinge sprechen kann. Auch bietet dieses Gelände viel Sicherheit durch die Präsenz von Polizei und Ordnungsamt. Von der Polizei ist fast täglich eine Polizistin vor Ort. Sie stärkt uns in vielen Dingen und gibt uns Rückhalt – was sehr wichtig ist. Auch das Ordnungsamt der Stadt Köln sorgt für Ordnung am Platz und nimmt sich uns an. Was ich immer ganz toll fand, ist daß wir uns immer auf Augenhöhe und mit Respekt begegneten.

Ich habe dort bis 2014 gearbeitet und bin dann zurück in meine Heimat Trier gegangen, und mußte feststellen, daß hier die Arbeitsbedingungen sehr schlecht waren. Ein Beispiel: Es gibt keine Toilette beim Straßenstrich und die nächste öffentliche Toilette ist drei Kilometer entfernt. Ich habe mir, damit meine Arbeitsbedingungen besser wurden, ein Wohnmobil gekauft. Da ich aber in einer guter Lage war und nach wie vor bin, hab ich zwar eine gute Lösung gefunden, aber viele meiner Kollegen*innen können sich kein Wohnmobil leisten. Für mich war klar, Trier braucht einen guten Straßenstrich, mit guten Arbeitsbedingungen. Ich trat im Januar 2019 an die Stadt Trier heran, habe viele Gespräche geführt und war auch mit einer Mitarbeiterin des Gesundheitsamt Trier in Köln. Wir haben uns gemeinsam die Vorteile von der Geestemünder Straße angeschaut. Da wir in Trier einen runden Tisch zur Sexarbeit haben, der von der Stadt Trier organisiert wird, konnte ich dort die Geestemünder Straße vorstellen. Es gab noch unzählige Gespräche danach, auch mit dem Stadtrat in Trier. Die SPD reichte danach einen Antrag ein, zusammen mit den Linken, mit der Forderung, den Straßenstrich zu verbessern. Es war eine hitzige Diskussion im Stadtrat und man gab den Antrag in den Ausschuß.

Nach weiteren Gesprächen mit der Stadt, hat man sich nun entschieden, den Straßenstrich in Trier zu verlagern, neu zu gestalten und zu bauen – was mich persönlich sehr freut. Was mich persönlich sehr freut. Bessere Arbeitsbedingungen heißt für mich, Stärkung in meiner Arbeit und Wertschätzung, Anerkennung und Wahrnehmung, daß es uns in Trier gibt. Ich freue mich, daß wir gemeinsam, Politik und Sexworker, es geschafft haben uns zu einigen und daß wir mitdiskutieren durften, um den Straßenstrich zu verbessern.

Es war ein langer Weg aber er hat sich gelohnt. Ich freue mich auf unseren neuen Straßenstrich in Trier und berichte wieder, wenn er fertig gestellt und eröffnet ist.

Eure Nicole

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