Der Verband meines Herzens

Heute möchte ich Euch meine Geschichte erzählen, wie ich zum BesD (Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e. V.) gekommen bin. Ich war immer schon eine Person, die sich für sich selbst und aber auch für meine Kolleg/innen in der Sexarbeit-Branche einsetzte. Im Oktober 2018 lernte ich eine tolle Kollegin kennen und war gemeinsam mit ihr auf einer Veranstaltung in Trier. Wir gingen nach der Veranstaltung noch gemeinsam etwas essen und kamen so ins Gespräch. Sie erzählte mir, daß es einen Verband gäbe, und ich wurde aufmerksam darauf. Sie meinte, im Januar 2019 sei ein Mitgliedertreffen. Wie waren ihre Worte so schön? „Komm doch einfach da hin. Ich bin auch da.“ Ich überlege es mir und sagte ihr damals zu. Als dann der besagte Tag kam, faßte ich den Entschluß, frei nach dem Motto: „Ach, ich fahre mal gucken, nach Frankfurt. Ist ja nur zwei Stunden mit dem Auto weg. Wenn es mir nicht gefällt, fahre ich einfach wieder nach Hause.“

Ich kam in Frankfurt an und erlebte, was ich so noch nie erlebt hatte. Da saßen Dominas und Highclass-Escorts, und man nahm mich, die Frau von der Straße, direkt auf, als wäre ich eine von ihnen. Man machte keinen Unterschied, daß ich von der Straße kam. Das war so toll und ich fühlte mich wohl. Mir fiel aber auf, daß das Thema Straßenstrich nicht so präsent war. Ich redete den ganzen Tag nicht viel, aber abends fragte ich dann irgendwann, was denn mit dem Thema Straße sei? Man war so begeistert, daß ich mich dem Thema annehmen würde und ernannte mich umgehend zum Beirat der Straßen-AG.

Ich war dermaßen glücklich darüber und durfte über meine Arbeit auf der Straße sprechen, ohne daß ich mich dafür schämen mußte. Das Gefühl war unglaublich, und ich fuhr stolz und glücklich nach Hause.

Dann begann ich mit meiner Arbeit und war erfolgreich damit einen neuen Straßenstrich in Trier voranzubringen, indem ich auf politischer Ebene als Expertin sprechen durfte und Workshops über die verschiedenen Straßensysteme gestaltete (siehe „Triers neuer Straßenstrich“). Ich wurde immer mehr ernst genommen und bekam eine Stimme. Für den Verband war ich hilfreich und auch Vorbild, so daß viele Straßensexarbeiter/innen ebenfalls dem Verband beitraten.

Im Oktober 2019 wurde ich dann in den Vorstand gewählt. Ich dachte, das würde bestimmt nicht viel mehr Arbeit werden. Doch da habe ich mich getäuscht, denn im März 2020 kam Corona und hielt mich auf Trab. Ich kämpfte nun um Gleichbehandlung und dafür, daß kein Sexkaufverbot kommt. Ich traf mich mit vielen Politikern, führte viele Gespräche und war auf allen Demos. Dabei wurde mein Arbeitsplatz, das Wohnmobil, zum Demo-Denkmal. An jeder Demo war es mit dabei und begleitete mich, stärkte mich und war mein Rückzugsort, aber auch mein Kampfort.

Wir haben es gemeinsam geschafft und wir durften im Spätsommer wieder arbeiten.

Mittlerweile sind wir als Berufsverband der größte Verband seiner Art in Europa. Durch das Internet halten wir Meetings und jedesmal, wenn ich meine tollen Kolleg/innen sehe, fühle ich mich wohl. Wir sind ein bunter Haufen, der sich respektiert und auf Augenhöhe gemeinsam für unsere Rechte kämpft.

Ich bin froh und glücklich, ein Teil dieses Verbandes zu sein.

Eure Nicole

3 Kommentare
  1. Conny
    Conny sagte:

    Hallo Nicole,
    Hallo Sarah,
    Ich bin wirklich sehr dankbar, dass es den BesD und die Menschen (Mitglieder) darin gibt, die eine Anlaufstelle für Sexarbeiterrinnen/er, gibt, an die sich auch Trans-Sexworkerinnen/er wenden können, auch wenn sie nicht geoutet sind ……
    LG. Conny

    Antworten
  2. Sarah Jessica Blume
    Sarah Jessica Blume sagte:

    Liebe Nicole,
    wir kennen uns aus dem Verband und wir zwei haben schon viele tolle Sachen für den BesD e.V. gemeinsam gemeistert.
    Ich bin superstolz, dass Ich die Frau Blume und Du die Frau Schulze für mich bist <3
    Glück auf!
    Sarah

    Antworten

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